Heute war ich zum mittlerweile vierten Mal in meiner persönlichen Lieblingsausstellung: Den "Sternstunden" im Gasometer. Beruflich natürlich, aber auch aus Überzeugung, denn was die Oberhausener da auffahren ist verdammt sehenswert. Außerdem lohnt der Blick ins Universum immer, denn da oben finden sich manchmal Antworten auf grundlegende Fragen. Wo komme ich her? Wo gehe ich hin?
Bei einem Abstecher ins Cafe stand ich neben zwei Damen und einem Herrn, dem Look nach etwa die typischen Besucher einer Freitag-Abend-Schlager-Disco. Oder um es auf den Punkt zu bringen: Wendler-Publikum. Die Damen echauffierten sich gerade darüber, wie langweilig das doch alles sei für die Kindergartenkinder. Ihrem Begleiter war auch nicht entgangen, "dass die Kleinen das alles noch gar nicht richtig verstehen können". Natürlich können sie das noch nicht, aber man darf Kindern durchaus davon erzählen und Bilder vom Weltall zeigen, darf man ihnen auch. Ob es sich um Eltern der Kindergartenkinder handelte, weiß ich nicht, aber ich will es nicht hoffen. Denn eine der beiden Damen hatte plötzlich eine famose Idee. Die Körperwelten seien doch viel spannender und sehenswerter. "Echt, das ist so, als würden die sich ausstrecken und jeden Moment nach dir greifen." Großartige Idee. Mit 20 Kindergartenkindern schachspielende, auf toten Pferden reitende und kopulierende Leichen besichtigen, die so aussehen, als könnten sie jeden Moment nach dir greifen. Kinder traumatisieren kann ja so einfach sein.
"Mami, sind das Puppen?"
"Nein Schatz, das sind plastinierte Leichen. Also tote Menschen. Sollen wir nach dem Museum nach McDonalds gehen?"
Falls sich jemand wundert, wie Serienkiller geboren werden, dürfte die Frage damit beantwortet sein.
Ich vergesse immer wieder, dass die Faszination fürs Universum eine gewisse Intelligenz vorraussetzt. Warum nur ahne ich, dass die beiden Damen und der Herr sich pflichtbewusst empören werden, sobald ihre Sprößlinge Spaß daran entwickeln, Zombies auf dem Monitor umzuballern?