Samstag, Oktober 31, 2009

Live Bilder von der Halloween Lesung in SecondLife...

War `ne geniale Lesung, hat viel Spaß gemacht und sie läuft tatsächlich immer noch. (Nachtrag: Und tat das auch bis nach 23 Uhr!) Sehr aufnahmebereites und geduldiges Publikum, das noch dazu die Autoren mit Lindendollars belohnte. Schöne Grüße an Violetta Miles, die das ganze veranstaltet hat. Gern jederzeit wieder...















Für die heutige SecondLife-Halloween-Bloglesung habe ich mein Outfit dem Anlass minimal angepasst...

Im Bild oben hat sich Zombie Kueperpunk gerade schick gemacht, im Bild unten sehen wir ihn, wie er sich mit dem Essen unterhält. Die Lesung beginnt übrigens um 21 Uhr genau hier...


31. Oktober 2009, die Welt ein paar Meter hinterm Haus kurz vor Sonnenaufgang...

..., wenn die Zeit plötzlich einfach stehen bleibt. Und du drehst dich um und wunderst dich, warum du den Ort wo du lebst,noch nie so wahrgenommen hast wie in dieser endlosen Sekunde.







Donnerstag, Oktober 29, 2009

"Neues aus der Zukunft" - Science Fiction Lesung im Stellarium Erkrath am 17. November...

















Es lesen: Uwe Post, Michael Iwoleit, Nadine Boos, Horst Pukallus und meine Wenigkeit. Mehr Informationen auf der Website des Stellarium...

In Japan schuftet sich eine Frau zu Tode...

So verkündet es die Überschrift eines Artikels im Spiegel. Allerdings geschieht so etwas nicht nur in Japan sondern schon jetzt auch hier bei uns. Es redet nur keiner drüber, wenn Otto Normalschaf nach stressbedingtem Herzinfarkt den Arsch zukneift. Von ungesunder Ernährung ist dann die Rede und geraucht hätte er auch. Ab und zu mal etwas länger schlafen, oder früher nach Hause gehen, hätte auch geholfen, aber das lässt man unerwähnt. Weil arbeiten, muss man ja. Unsere Politiker haben der Arbeitslosigkeit auch nicht mehr entgegenzustezen als den Tod durch Überarbeitung. Das finden sie anscheinend auch völlig okay und öffnen dem Mißbrauch von Arbeitnehmern Tür und Tor durch ihre Weigerung, Mindestlöhne einzuführen. Es werden Höchstleistungen gefordert, statt sich damit zu begnügen, dass jeder seinen Beitrag leistet. Ja es ist sogar Standard geworden, an uns den Anspruch zu stellen, dass wir unser Leben der Arbeit widmen. Umgekehrt wäre es richtig. Arbeiten, um zu leben, aber nicht zu viel. Was verloren geht, ist für fast alle der Wohlstand an Freizeit, den mancher schon von allein gern unterschätzt, weil er das Haus und den großen Wagen will, und dabei vergißt, dass ihm das wenig nützt, wenn keine Zeit mehr bleibt, um sich an den Früchten der eigenen Arbeit zu erfreuen. Und natürlich lassen wir alle das mit uns machen, obwohl wir doch in der Überzahl wären und ein kollektives Nein dies alles schlagartig ändern könnte. Nein, das wird nicht passieren.
Schade...

Kueperpunk - very limited photo edition

Das Buch auf meinem Regal ist wirklich in einer sehr limitierten Edition erschienen. Es gibt nämlich nur ein einziges Exemplar davon. Es enthält rund 30 meiner Lieblingsfotos, die ich bei Snapfish zu einem Bildband zusammengesetzt habe. "Aufgebockt" in einem Holzbuchständer kann ich jetzt je nach Lust und Laune oder Tagesstimmung zwei andere Bilder als Wanddeko aufschlagen. Klar, purer Luxus. Aber ich finde, den habe ich mir verdient...




Mittwoch, Oktober 28, 2009

Halloween Lesung am kommenden Samstag in Second Life...


















Es ist mal wieder an der Zeit für eine Live-Performance. Gemeinsam mit drei weiteren Autoren werde ich deshalb am kommenden Samstag ab 21 Uhr auf der SIM Haapiti erschreckendes, bizzares oder auch komisches Lesen. Mit dabei sind:

Renate Lubitsch (Frank Sorge - Kabarettist und Autor)
Kueperpunk Korhonen (Thorsten Küper - Autor und Blogger)
Gavrael Hawkeye (Rael Wisdorf - Schriftsteller)
Zauselina Rieko (Kirsten Riehl - Brennende Buchstablerin und Lyrikerin)

Kirsten kündigt mich drüben bei den Brennenden Buchstaben übrigens als "Physiker und Schriftsteller" an. Warum das Publikum so erschrecken? Mit Physik wird mein Vortrag eher weniger zu tun haben.
Die Lesung findet genau hier statt.

Falls du hier mitliest, Flusskiesel: Ich finde, es wird auch mal wieder Zeit, dass wir was auf die Bühne bringen. Sei es in SL oder real...

Dienstag, Oktober 27, 2009

Und dann noch Anrufer Nummer Zwo nur 30 Minuten nach dem ersten...

Diesmal gehe ich ran und jemand nuschelt etwas, hakt dann nochmal nach, wen er am Apparat habe, um dann zum Schluß zu kommen, dass er sich wohl verwählt hat. Keine Sorge, ioch blogge jetzt nicht jedes Telefonat. Aber was für eine Ironie, dass ich auf dem Handy, dessen Nummer niemand kennt, öfter angerufen werde, als auf meinem alten Mobiltelefon. Sollte mich das nachdenklich machen?

Faszinierend: Mein erster Anrufer am IPhone...

Leider habe ich ihn verpasst, aber ich kann seine Nummer im Display sehen. Die Sache hat nur einen kleinen Haken. Niemand kennt meine IPhone Nummer. Sie ist auch nirgendwo nachzulesen. Wer also sollte mich anrufen? Geheimdienst, Illuminati, Aliens? Nein, ich werde die teure Auslandsnummer ganz sicher nicht zurückrufen. Versucht`s beim nächsten Deppen...

Montag, Oktober 26, 2009

Dieses Blog auf dem IPhone...






















Ein wunderbares Spielzeug. Und es verleitet zum Surfen und Twittern im Bett. Ganz gefährlich. "Was? Schon 2 Uhr???""

Mac Tonnies ist tot...
















Sehr bestürzt bin ich, seit ich gestern um Mitternacht drüben beim Doktor erfuhr, dass Mac Tonnies tot ist. Sein Blog Posthumanblues habe ich hier immer wieder gern verlinkt. Mac Tonnies produzierte wie alle lesenswerte Blogger eine ganz individuelle Mischung, in seinem Fall irgendwo zwischen Transhumanismus, Cyberpunk, Spiritualität und UFO-News. Obwohl Tonnies die Möglichkeit schon jetzt stattfindender Kontakte mit Außerirdischen nicht ausschloß, räumte er doch gnadenlos mit UFO-Spinnern auf und konnte sich über Alien-Gags amüsieren. Tonnies Blog zählt seit geraumer Zeit zu meiner täglichen Lektüre und war nicht nur ein Geheimtipp, sondern hatte mittlerweile großen Bekanntheitsgrad erreicht. Mac wurde am letzen Donnerstag tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er starb anscheinend eines natürlichen Todes. Ich wünsche ihm, dass er jetzt gerade eine angenehme Überraschung erlebt und sich das posthumane Leben als eine großartige Erfahrung herausstellt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Tonnies Spaß an Verschwörungstheorien hätte, die sein plötzliches Ableben thematisieren.
Wir hatten leider nie Kontakt, aber ich wünsch Dir trotzdem, dass das Universum da draußen für Dich weitergeht. Mach`s gut!
Der Dokor hat übrigens recht, dass man sich nicht über jeden Scheiß so ärgern sollte. Macht was aus eurer Zeit.
Hier geht`s zu Macs immer noch erforschenswertem Blog.

Sonntag, Oktober 25, 2009

Wo die Postapokalypse schon Realität ist...


Der chinesische Fotograph Lu Guang dokumentiert die Auswirkungen rücksichtslosen Raubbaus an der Natur. Seine Bilder hat er in Fabrikstädten in China und der Mongolei gemacht. Was aussieht die Concept Art für postapokalyptische Cyberpunkfilme ist toxische Realität. Mehr davon hier auf io9.com...

Für Hardcore-Twitterer...













Das iKey AK-39 wird am Handgelenk getragen, ist äußerst widerstandsfähig, kann wahlweise mit grüner Hintergrundbeleuchtung oder im Nachtsichtmodus bedient werden und funktioniert auch bei starken elektromagnetischen Interferenzen. Tja, das Keyboard vielleicht, aber das Netbook auch noch? Der Name läßt es schon erahnen: das Ak-39 wurde für das Militär konzipiert. Wollen die jetzt live vom Schlachtfeld twittern? Sozusagen Embedded Tweeds?
Würde sich auf nem Barcamp allerdings ganz gut machen. Dürfte aber wohl eher im Hochpreissegment angesiedelt sein...

Samstag, Oktober 24, 2009

Gestern haben Massive Attack in Köln gespielt...

Und eigentlich wäre das ein Punkt auf meiner To Do-Liste für den Oktober gewesen. Tja, man kann nicht alles haben. Irgendwie hatte ich es dann doch vergessen und so blieb, als gestern Eins Live über das Konzert berichtete, nur der berühmte Klatscher gegen die Stirn. Wäre schon klasse gewesen, dabei zu sein. Eins Live hat immerhin eine Bildergalerie online gestellt. Okay, dann nächstes Mal - wann auch immer das sein wird...

Freitag, Oktober 23, 2009

Cyberpunk Impressionen aus dem Pott...

Ich denke, für einige Zeit wird das heute Abend meine letzte Fototour durch den Landschaftspark Nord in Duisburg gewesen sein. Allerdings, und da muss ich Bloggerkollege und Mitfotograf Fenrir recht geben, gibt es immer wieder neue Blickwinkel zu entdecken. Trotzdem braucht das Auge auch mal Abwechslung und es wird Zeit, ein paar neue Motive aufzuspüren. Hier noch mal fünf Bilder, die heute Abend entstanden sind.






Das sind Roboter!

Mehr davon im Conceptrobots Blog...
(via io9.com)

Spielen mit dem Kultobjekt...

Es hat schon was, dieses IPhone. Und das obwohl ich von mir behaupte, kultgegenstandresistent zu sein. Es ist mehr so dieses: "Ooch ist das klein, kann aber trotzdem ins Internet und eiii wie putzig, das ist ja mein Blog so groß wie eine Briefmarke!" Ja ne, ich hab schon rausgefunden, wie man dann zoomt. Es ist der Spieltrieb, der da gerade mal wieder voll bei mir durchschlägt. Erste gestrige Hürde: Die Registrierung des IPhones. Geht nur über die ITunes Software, die man erst auf dem PC installieren muss, um dann das IPhone per USB damit zu verbinden. Soweit kein Problem. Nur ist es leider so, dass sich der USB Port meines PCs und das IPhone irgendwie nicht riechen können. Das kleine Apple Maschinchen zwitschert ganz aufgeregt und nervt mit der Meldung, es könne sich hier nicht aufladen. Hungrig ist der kleine also, denke ich mir und benutze erstmal das beiliegende Netzteil, um ihn aufzupäppeln. Satt an Strom nervt er aber trotzdem weiter mit überflüssigen Fehlermeldungen von wegen laden geht nicht. Irgendwie funktioniert die Registrierung dann aber doch und endlich gelingt es mir auch, Kontakt zum Internet herzustellen. ("Oh Mann, das ist ja das Internet in gaaaanz klein!!! Süüüüßßßß!!")
Nächstes Problem: Der ITunesStore. Store, das hat was mit kaufen zu tun und kaufen bedeutet dummerweise meistens auch bezahlen. Ich persönlich finde ja, letzeres passt irgendwie nicht mehr ins Web 2.0 (Nein, ich habe keine Lust, darüber jetzt seitenlange Diskussionen zu führen). Prompt will ITunes dann auch meine Kreditkartennummer haben - eine Information, die ich prinzipiell nicht rausrücke. Erst bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass es auch ohne geht. Zumindest, wenn man noch nichts kaufen will. Entgegen meinen Befürchtungen hat man trotzdem Zugriff auf alle gratis Apps und natürlich habe ich auch nur die im Sinn. Mein erster Download: Echofon, vorher auch bekannt als Twitterfon. Der Name sagt schon, worums geht. Eine einfach zu handhabende Twitteranwendung mit der man mitten im Nirgendwo - also beispielsweise im Zug oder im Wartezimmer - seine Follower auf dem Laufenden halten kann. Funktioniert wunderbar einfach und verleitet selbstverständlich zu exzessivem Ballasttwittern getreu dem Motto: Es gibt noch viele Dinge, die die Welt nicht über mich wissen will - ja, dieses Blog einschließlich - also raus mit der Datenflut.
Zeit für die nächste Tasse Kaffee und ein ein bißchen Stöbern im App Store. Da ist noch ganz viel Software, die ich auf dem kleinen flachen digitalen Faustkeil des Silizium Zeitalters horten möchte...

Donnerstag, Oktober 22, 2009

Der Gipfel der Dekadenz...














...ist es, statt einem gleich zwei IPhones sein Eigen zu nennen. Links ein 3GS rechts ein 3G. Das 3GS bekam ich für umme, das 3G für den schon fast unverschämten Preis von 1 Euro. Jetzt geht die Qual der Wahl also morgens schon am Schreibtisch los. Nehm ich das 3GS oder doch nur das 3G? Bisher musste ich mich immer nur in der Garage zwischen dem Ford Mustang und dem Chrysler 300 C entscheiden. Wie soll man all diese Entscheidungsprozesse nur ertragen?
Wie ich nun wirklich an zwei IPhones komme? Ganz simpel. Das 3GS ist ein Geburtstagsgeschenk und das 3G sozusagen eines vom Provider, der sicher gehen wollte, dass es mit dem IPhone aus einem anderen Geschäft keine Garantieprobleme geben würde. Lasse ich mir gefallen, ich bin gern bereit, demnächst immer gleich vorsichtshalber zwei Geräte mitzunehmen.
Den ersten Twitterfeed per IPhone habe ich schon mal rausgehauen. Alles sehr neu, alles sehr gewöhnungsbedürftig. Aber spannend. So wirds demnächst also auch mal live-Tweets von Events wie der Buchmesse geben.

Mittwoch, Oktober 21, 2009

Schlechte Quote für Fernsehfilm über Helmuth Kohl...

So so, na das kommt ja völlig unerwartet. Jetzt mal ernsthaft: Wir haben das Elend 16 Jahre ertragen, müssen wir uns das jetzt etwa noch mal im Zeitraffer antun? Beim nächsten Mal solche Geldmittel bitte in sinnvolle Filmproduktionen investieren. Und damit meine ich nicht sowas wie "Angie, eine Frau geht ihren Weg"...
Noch ein kleiner Hinweis am Schluß. Die Rolle des Kohl erfordert einen Schauspieler des entsprechenden Formates. Was ist eigentlich aus dem Typ geworden, der "Jabba the Hut" gespielt hat?

Dienstag, Oktober 20, 2009

Maschinenträume...

Auch letzte Woche sind noch ein paar Impressionen im Landschaftspark Nord entstanden.







Montag, Oktober 19, 2009

Ich bin zurück von der Buchmesse...

…und ich habe gute Neuigkeiten. Die Deutschen wissen noch, wie Lesen geht. Okay, hier und dort müssten wir etwas an ihrem Geschmack feilen, aber es besteht Hoffnung. Woher ich das weiß?
Weil ich mir dieses Jahr das Abenteuer Buchmesse gegeben habe. Endlich. Drüber nachgedacht hatte man oft, aber in der Praxis wurde bis dato nie was draus. Klar war, dass man für die Messe mit einem Tag nicht hinkommen würde. Allein die Anfahrt dauert ja schon gute 3 Stunden. In Frankfurt angekommen gestaltet sich die Exkursion jedoch wesentlich einfacher als erwartet. Alle Achtung: Die Frankfurter haben ihre Buchmesse im Griff. Kein Wunder. Sie machen das schon seit mehr als 500 Jahren. Die erste Bücherparty schmiss man, nachdem Johannes Gutenberg ein paar Kilometer weiter in Mainz den Buchdruck in die Zukunft katapultiert hatte. Nur mit den Parkplätzen dürfte das damals alles noch etwas einfacher gewesen sein. Apropos: Man sollte sich nicht einbilden, dass man mit dem Auto direkt vorfährt. In Frankfurt steuert man dazu besser das Rebstockgelände an und fährt dann mit dem Pendelbus gratis zu den rund 2 Kilometer entfernten Messehallen. Na ja, nicht ganz gratis. Die Tageskarte im Parkhaus – und es gibt nur Tageskarten – kostet stattliche 9 Euro, die man natürlich gern zu zahlen bereit ist, wenn man gleich sowieso noch 20 Euro pro Person drauflegen wird, um das Wochenende in den heiligen Hallen der Buchmesse zu verbringen. Aber wer lange Warteschlangen befürchtet so wie ich – wenn die Wartezeit jenseits der 20 Minuten Grenze liegt, würde ich auch nach dreistündiger Anfahrt auf der Stelle kehrt machen, Django wartet nicht und Küper auch nicht – stellt erleichtert fest, dass der Zugang zur Messe auch jetzt völlig problemlos verläuft. Schnell die Karte gelöst, kurz die Taschenkontrolle über sich ergehen lassen und schon ist man mitten drin im Happening. Zu dumm nur, erkennt man dann, dass man heute nicht die Arbeitsschuhe mit den Stahlkappen angezogen hat. Denn der gemeine Bücherwurm schaut nicht, wo er hintrampelt, wenn er vor lauter Büchern die Menschenmasse um sich herum gar nicht mehr wahrnimmt. Auch Kulturpublikum rempelt, schubst und schiebt wie der gewöhnliche Pöbel.
Okay, kein Zweifel, es gibt noch viele von denen, die Bücher mögen, auch im Zeitalter des multimedialen Webs, der Avatarchats, der MMORPGs. Und trotzdem ist nicht zu übersehen, dass es nicht nur die klassischen Buchkonsumenten sind, die heute auflaufen. Grell geschminkte Girlies auf 20 Zentimeter hohen Plateausohlen mit Katzenöhrchen, die aus langen lilafarbenen Perücken ragen, bahnen sich ihren Weg durch die Menge. Niemand schenkt ihnen besonders viel Beachtung, denn es sind hunderte von ihnen unterwegs. Cosplayer wimmeln vor Manga und Comicständen und machen unmissverständlich klar: Das Publikum hat sich verändert. Mittlerweile koexistieren Buch und Comic nebeneinander, sind keine Konkurrenten mehr, sondern werden vom selben Publikum konsumiert. Zumindest ist das in meiner Lesegeneration so. Ob die anwesenden Cosplayer auch unbemalte Seiten lesen, wage ich nicht zu beurteilen. Irgendwie habe ich ein Problem damit, wenn ein etwa 18jähriger mit Strohhut und Badelatschen noch nicht den Übergang vom strohdoofen „One Piece“ zum brillanten „Ghost in the Shell“ geschafft hat. Ich habe so meine Zweifel, ob wir den noch in Richtung 800 Seiten Thriller bewegen können. Trotzdem ist es extrem spaßig, sich am Treffpunkt der Kostümfreaks umzusehen. Dort stoße ich auch auf ein echtes Highlight. Simpson Zeichner Phil Ortiz simpsonized Messebesucher. Und das natürlich live. Für 20 Euro kann man sich selbst zum Simpson machen lassen. Eine Versuchung, der ich kaum widerstehen könnte, wäre die Warteschlange nicht schon jetzt viel zu lang. Immerhin kann ich Ortiz dabei knippsen, wie er eine hübsche junge Dame in einen bildhübschen Homo Simpsonize verwandelt. Einige Meter weiter beansprucht ein riesiger Rauschgoldengel mit wallendem blonden Haar und Flügeln im Dinosaurierformat gute 12 Quadratmeter für sich allein. Was von der Rückseite vielversprechend aussieht, entpuppt sich von vorne als Kerl. Glücklicherweise ist das nicht bei allen weiblichen Gestalten so…
Ein Konzept für den Besuch der Buchmesse haben wir nicht. Vorher gab es keine Recherche und so haben wir auch keinen Zeitplan. Lesungen und Interviews finden sowieso an jeder Ecke statt. Hier plaudert Maffay über ein Stones Konzert, dort hört man Armin Rhode, der wohl sein Buch vorstellt. Wer solche Programmpunkte einplanen will, braucht mindestens 2 mal 10 Stunden, um alles abzuarbeiten. Stattdessen lasse ich mich ziellos mal mit mal gegen den Strom treiben. Wem das Chaos in den Hallen unten zuviel wird, für den bietet sich die Antiquariatsausstellung als Fluchtpunkt an. Auch wer sich nicht für alte Bücher begeistern kann, findet hier einen Platz, um in Ruhe einen Kaffee zu trinken und den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen. Ein Blick auf die alten Schätzchen lohnt aber auch. Die Exponate sind übrigens so exorbitant teuer, dass man schon vorher freundlich darauf hingewiesen wird, dass die Taschen beim Verlassen kontrolliert werden.
Auf derselben Etage stoße ich auf den Stand eines kleinen Verlages, der nur ein Buch präsentiert. Anscheinend ein Science Fiction Roman. Schwarzes, ansprechend designtes Cover mit einem Klappentext, der vielversprechend klingt. Um eine von Computern eingeleitete Apokalypse soll es gehen. Ich frage einen Mann mit dem Buchcover auf seinem schwarzen T-Shirt, ob es sich um Cyberpunk handelt. Er macht eine abwehrende Geste und erklärt mir weitschweifig, welche Bedeutung Computer heute haben und dass es in ihrem Buch darum ginge, wie das zu einer Katastrophe führen könnte. Dabei vermeidet er den Begriff Science Fiction – vielleicht meint er auf diese Etage verlaufen sich nur Intellektuelle und die will er nicht erschrecken - und liefert mir einen Handlungsüberblick, der mir sehr bekannt vorkommt. Ich denke kurz darüber nach, ihm zu erzählen, dass es den Film „Terminator“ bereits gibt, lasse es aber. Kann ja sein, dass sich der Autor bemüht hat, eine ähnliche Geschichte auf höherem Niveau zu erzählen. Ob ich von einem Verlag sei, will der Mann in Schwarz schließlich wissen. Ich bilde mir ein, dass er einen Schritt zurück macht, als ich erkläre ich sei Blogger.
Insbesondere bei den kleinen Verlagen kann man mit Machern ins Gespräch kommen. Die Menge der Aussteller ist schlicht überwältigend. Und es stimmt, was eine Autorin am Morgen in einem Fernsehinterview sagt: die an den kleinen Ständen sehen aus wie Tiere in Käfigen die neugierig bestaunt werden. Sie alle sind da: politische Verlage, esoterische, erotische, magische, Überzeugungstäter, Pfadfinder, seltsame Kinderbuchautoren, Egomanen und Desorientierte. Hier und dort kann man wider Erwarten auch Bücher kaufen und manche transportieren wirklich säckeweise Material nach draußen. Kann man tun, muss man aber nicht.
Irgendwann gewinnt dann doch Müdigkeit und Faulheit. Erst recht nach 2 Tagen auf der Messe und mit der dreistündigen Rückfahrt noch vor sich. Gelohnt hat sich die Messe auf jeden Fall. Trotzdem schlendere ich persönlich lieber ganz in Ruhe durch eine Buchhandlung.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Ganz sensationell sind übrigens die Buchmesse Muffins. Ich würde so weit gehen zu behaupten, schon sie allein sind die Anfahrt wert. Okay, vielleicht nicht ganz…