Ich hatte einiges gehört über Bong Joon-hos Monsterfilm. Ein Überraschungserfolg des koreanischen Kinos, der von Kritikern allgemein mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Für erschwingliche 7,99 Euro habe ich mir gestern mal die DVD gegönnt und nun endlich mal selbst einen Eindruck verschafft. Die Story könnte auch die eines amerikanischen Films sein: Verantwortungslose Wissenschaftler - natürlich amerikanische Wissenschaftler auf einem amerikanischen Militärstützpunkt - kippen ihre Chemikalien einfach so in den naheglegenen Fluß. Ist ja auch praktisch. Irgendein Viech kriegt eine Überdosis von der Brühe ab und mutiert prompt zum übergroßen...tja, das ist schwer zu sagen. Ist ja auch egal, jedenfall möchte man dem Vierbeiner mit dem Predatormaul möglichst nicht in die Quere kommen. Es kommt was kommen muss, das Biest frisst sich eines sonnigen Tages am Flußufer entlang und erwischt dabei die kleine Tochter eines versoffenen Kioskbesitzers. Der landet mitsamt Familie erstmal auf einer Quarantänestation, wird dort aber per Handy von seiner immer noch quicklebendigen Tochter angerufen und ist gezwungen, sein Leben neu zu sortieren. So weit die moralische Botschaft. Ja das ganze mag an irgendeine koreanische Sage um einen faulen Bauern erinnern, der sich irgendwann dem bösen Drachen stellt und ist wohl auch genau so gemeint. Aber: Da gibt es unübersehbare politische Untertöne und die richten sich nicht nur gegen die Amerikaner. Es ist schon zum Brüllen, wenn der tolle und wichtige Oberwissenschaftler im Schutzanzug per Megaphon eine Durchsage machen will, erstmal ausruscht, auf die Schnauze fällt und das ganze fast ein bißchen wie der koreanische Mr. Bean überspielen will. Man ist sich bei "The Host" nie ganz sicher, ob man nun eine Tragödie oder eine Komödie schaut, denn es gibt mehr dieser grotesk schrägen Momente. Der erste Monsterangriff pendelt in der Dramaturgie zwischen Teenykomödie und Jurrasic Park und macht die ganze Sache dabei besonders sehenswert. Schwer zu schlucken für westliche Gewohnheiten der Soundtrack, noch schlimmer die völlig überzogenen wohl fürs koreanische Kino üblichen Trauerszenen, bei denen der Kinogänger hier eher Tränen lacht, weil die schauspielerische Darbietung scheinbar unter das Niveau einer Daily Soap rutscht. Da rechnet man dann nicht mehr mit pfiffiger Kritik am politischen System, wie in der Szene, als ganz bewusst eine Demontration provoziert wird, die keinen anderen Sinn hat, als ein Köder für das Monster zu sein. Ist schon ein schlau gemachtes Filmchen, dass sich Bong Joon-ho da ausgedacht hat. Etwas mehr Monsteraction hätte es dann aber doch sein dürfen, denn die fällt mir ehrlich gesagt etwas zu knapp und auch zu unblutig aus.
Trotzdem: Sehenswert.