Nein, mir ist nicht wohl dabei, hier über die aktuellen Ereignisse in Winnenden zu bloggen. Beileibe kein Thema für flapsige Bemerkungen, zynische Kommentare. Auf der anderen Seite fühle ich mich durch meinen Beruf persönlich betroffen und wohl auch deswegen habe ich das Bedürfnis, darüber zu schreiben, was mir angesichts der Ereignisse durch den Kopf geht. Gedanken, die sich an euch richten, liebe Politiker.
Es gibt vieles, was ihr tun könntet, um solche Katastrophen in Zukunft abzuwenden.
Vorrangig - ganz egal wie schwer es zu realisieren ist - muss endlich eines geschehen: Sorgt dafür, dass unsere Jugendlichen eine Perspektive haben, dass sie nicht länger glauben müssen, dass nach der quälenden langweiligen Schulzeit – so empfinden es nun mal manche – als einzige Belohnung Hartz IV auf sie wartet.
Setzt Schüler in einer schwierig gewordenen Welt nicht noch zusätzlich unter Druck, in dem ihr sie zwingt, noch schneller zu lernen, statt ihnen ein bisschen Zeit zu lassen, sich über sich selbst bewusst zu werden. Ihre Schwächen und Stärken in Ruhe auszuloten und dabei die Schulzeit vielleicht sogar als etwas Gutes zu begreifen.
Pfercht Schüler nicht in immer größer werdenden Gruppen zusammen und gebt den Lehrern damit die Chance, das zu tun, was ihr so gern lautstark von ihnen fordert: Nämlich auf jeden der Jugendlichen einzugehen, ihn individuell zu fördern oder seine persönlichen Probleme zu erkennen.
Stellt genug Lehrer ein, damit die mit kleineren Schülergruppen arbeiten können und so die Möglichkeit erhalten, ihre Schüler besser kennen zu lernen. Wahrzunehmen, dass sich im Kopf dieses stillen Jungen da hinten, oder dieses zurückhaltenden Mädchens dort drüben etwas zusammenbraut.
Wenn Lehrer dann Rat und Hilfe suchen, dann antwortet nicht mit einem Schulterzucken, sondern reagiert. Installiert Psychologen und Sozialarbeiter in den Schulen und investiert in unser eigentlich wichtigstes Kapital: Den Nachwuchs.
Und vielleicht wäre es mal an der Zeit, dafür zu sorgen, dass nicht jede Knalltüte ganze Waffenarsenale bei sich horten kann.
Ich weiß allerdings, was ihr tatsächlich tun werdet: Über die Gefährlichkeit irgendwelcher elektronischer Medien lamentieren, sie zur Ursache aller Gewalt erklären, Zensurmaßnahmen fordern, das eine oder andere verbieten, das ohnehin längst verboten ist. Natürlich. Denn diese „schnellen Maßnahmen“ gefallen dem Stammtischparolenschwinger und damit auch dem Wähler und sie sind – und das ist das wichtigste – so angenehm billig. Denn alles was wirklich helfen würde, wäre doch viel zu teuer, nicht wahr?