Samstag, August 04, 2007

"Death Proof": Es ist mir ein Rätsel...

...wie man aus einem Roadmovie über einen Serienkiller einen dermaßen langweiligen Film machen kann. Mit Death Proof hat Tarantino endlich den Beweis dafür geliefert, dass er der meistüberschätzte Regisseur des modernen Kinos ist. Was als Homage an billige Actionfilmchen aus den Siebzigern gedacht war, geht nicht mal Genrepersiflage durch. "Death Proof" hätte ein grandioser Psychoactionthriller sein können, ist aber letztendlich nicht mehr als ein einziger, völlig überstreckter Dialog ohne Hand, aber mit erstaunlich viel Fuß (Insider wissen, wovon die Rede ist.) Erst nach gut einer halben Stunde völlig sinnlosen Gequatsches gibt es einen kurzen Peak in einer Spannungskurve, die bis dorthin der Flatline eines frisch verstorbenen Patienten sehr ähnlich sah.
Tarantinos Film ist bis zu diesem Zeitpunkt genauso blut- wie inhaltsleer. Kurt Russel als gealteter Stuntman und Hobbyfrauenmörder kann mit seinem späten Auftritt auch nichts mehr daran ändern, dass ein großer Teil der Zuschauer eingeschlafen ist. Auch wenn wir den ersten von ihm verübten Mord mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis nehmen, sind wir nun doch zumindest sicher, nicht in eine neue amerkanisierte Form, des französischen Intelektuellen-Dummschwätzer-Kinos geraten zu sein. Nachdem man uns dann fälschlicherweise Hoffnung gemacht hat, dass "Death Proof" neben weiblicher Thekenphilosophie vielleicht doch noch 3 Millimeter Handlung zu bieten hat, folgt unmittelbar ein zweiter sehr dezenter Spannungspeak. Kurt Russel alias Stuntman Mike befördert mal eben per Frontalcrash vier weitere Mädels in die ewigen Jagdgründe. Über deren Ableben ist wohl niemand mehr traurig, nachdem wir ihr Gequatsche bisher volle dreissig Minuten hatten ertragen müssen. Der tödliche Autocrash ist sogar ganz amüsant umgesetzt, erleben wir ihn doch insgesamt viermal aus der Perspektive jedes einzelnen Opfers.
Doch man ertappt sich unwillkürlich bei einer kleinen Überschlagsrechnung, und kommt dabei zu dem Schluss, dass Stuntman Mike in einem gescheiten Drehbuch in derselben Zeit bereits fünf Mädchencliquen hätte über die Klinge springen lassen können.
Was dann folgt, entzieht sich meinem Verständnis zumindest teilweise. Einige Zeit später scheint Mike sich wieder Opfer ausgesucht zu haben - und nach einer weiteren halben Stunde völlig überflüssigen Gequassels der neuen Opferschar finden wir uns plötzlich in einem eilig herbeigehexten Showdown wieder, der nicht nur langweilig sondern auch noch absurd ist - und mit einem so bescheuerten Finale endet, dass man sich die flache Hand vor die Stirn schlägt.
Cineasten werden behaupten, Tarantino hätte die Stilmittel des Trashkinos kopiert und gleichzeitig persifliert. Ich sehe das anders: Er kann einfach keine vernünftigen Geschichten schreiben.
Tarantions "Death Proof": Weniger Wert als die Autowracks, die nach dem Dreh übrig blieben.



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4 Kommentare:

Blogger Joerg-Sven meinte...

Tja, was soll man da sagen. Kann ich nachvollziehen bin aber total anderer Meinung. Vor allem das langweilige Geplapper maqcht für mich ja den spass an diesem Tarantino aus.

Obwohl ich auch glaube das die 30 minuten kürzere Version die in amiland raus gekommen ist (die Originalversion halt) mehr 7oer Jahre B-Movieflair hat. Wenn ich bedenke das in den Nachdrehs nur Dialogszenen aufgenommen wurden...

Und das mit Hand und Fuss, nun ja, das stimmt schon, das wird in jedem Film hefriger :-)

8:09 AM  
Blogger ThK meinte...

Ballastdialoge. Es sind Ballastdialoge. Wobei es eigentlich keine Dialoge sind, sondern aneinander gereihte Monologe, die rein gar nichts mit der Handlung zu tun haben. Angetüterte Thekenphilosophie und Sexbeichten. Nervtötend.
Anscheinend ist denen aufgefallen, dass ihre Actionszenen allenfalls für einen längeren Werbespot reichen, deswegen die ganzen Nachdrehs.
"Death Proof" hätte einen ganz guten Jeans Werbespot abgegeben. Oder noch eher einen für Beinenthaarungsgel.
Sonst nix...

10:26 AM  
Blogger TheRudi meinte...

Wenn du nicht so auf Dialogkino stehst (sollte dies überhaupt der Fall sein), würde mich mal deine Meinung zu einem Smith-Film, allen voran natürlich CLERKS interessieren...

8:00 PM  
Blogger ThK meinte...

Clerks? Gibts da nicht diese geniale soziopolitische Analyse über Star Wars? Hat schon was, der Film, obwohl ich ihn nie ganz gesehen habe. Aber damit hat das sinnlos aufgepustete Gebrabbel über Lapdance und Beziehungsstuß in "Death Proof" nix zu tun.

12:16 AM  

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