Ich bin schon immer ein Fan des dunklen Ritters gewesen. Batman zählt für mich zu den glaubwürdigsten Superhelden, ganz besonders weil er keine übernatürlichen Kräfte besitzt, sondern seine außergewöhnlichen Fähigkeiten Technologie, Intelligenz und Training verdankt. Noch dazu boten Batman Comics immer ein interessantes Ambiente, das irgendwo zwischen Gotik und Cyberpunk angesiedelt ist. Batman selbst ist der Idealtyp des von Selbstzweifeln zerfressenen Rächers, der Angst vor sich selbst hat.
Diese Charakterzüge hatte Tim Burton in seiner Adaption übernommen, den Helden aber in eine für Burton typische Comicwelt installiert, die eher Heimat von „Edward mit den Scherenhänden“ hätte sein können. Schauplätze und Charaktere waren vom Regisseur so überzogen worden, dass sich seine Umsetzung nur haarscharf am Rande einer Parodie bewegte, die beinahe genauso lächerlich war, wie die kindgerechte Fernsehserie der sechziger Jahre. Nachfolgenden Regisseuren gelang dieser Balanceakt nicht mehr und Joel Schumacher stürzte mit dem letzten Batman-Sequel endgültig in den Abgrund des Grotesken. Trotz Staraufgebot in Gestalt von George Clooney, Uma Thurman und Arnold Schwarzenegger entstand ein Film, der nur als peinlich bezeichnet werden kann.
Chris Nolan, Regisseur des faszinierenden Thrillers „Memento“ geht nun andere Wege. Allein sein Hauptdarsteller, der außergewöhnliche Christian Bale (Equilibrium, Herrschaft des Feuers) vermag weit mehr zu überzeugen, als der schlicht und ergreifend viel zu kleine und rundliche Keaton. Ich weiß nicht, ob die beiden Schauspieler tatsächlich unterschiedlich groß sind, doch Burtons Batman wirkte immer etwas zu kurz, eher wie eine Art Batboy.
Nolan interessiert sich wenig für reine Fantasiewelten. Sein Gotham City ist eine Stadt wie das heutige New York oder Los Angeles, bevölkert allerdings von einer Population von Schurken. Der Niedergang der Gesellschaft ist das Ergebnis einer schweren Wirtschaftskrise irgendwann in der nahen Zukunft. Für einen amerikanischen Film schon fast eine zu gewagte Prognose. Nach siebenjähriger Reise und Training durch den dubiosen Ducard (Liam Neeson) klärt Bruce Wayne in jene Stadt zurück deren Rettung sich seine Eltern verschrieben hatten und in der sie letztendlich auch ermordet worden waren. Bruce beschließt ihre Mission fortzusetzen und zu einem Symbol zu werden, einem Furcht erregenden Gegner für alle Kriminellen, der Gotham kompromisslos vom Verbrechen säubert. Unterstützt wird er dabei vom treuen Butler Alfred, brillant verkörpert vom Briten Michael Caine, sowie vom einzigen ehrlichen Polizisten Detective Jim Gordon, ebenfalls wunderbar gespielt vom sonst hauptberuflichen Bösewicht Gary Oldman.
Neben großartigen Schauspielern bietet „Batman begins“ hervorragende Action Szenen und große Bilder, die, heute eine Seltenheit, größtenteils real gedreht wurden und nicht etwa am Computer entstanden sind. Das gilt unter anderem für einen großartigen Take, in dem wir Batman auf der Spitze eines Wolkenkratzers sehen. Die Szene wurde mit einem Stuntman aufgenommen, den man zu diesem Zweck auf dem Gebäude festgebunden hatte.
Insgesamt überzeugte mich Chris Nolans Film von der ersten bis zur letzten Minute. Es nicht ist ganz einfach, glaubwürdig zu erklären, warum ein Mann sich dazu entschließt in einem Anzug, der eher als Berufskleidung für eine Domina geeignet wäre, Schwerverbrecher zu jagen. Aber Nolans Drehbuch gelingt es, uns Batmans Biographie plausibel zu machen und Christian Bale kauft man seine Rolle ab.
Ein kleiner Schwachpunkt ist für mich der etwas zu geringe Action-Anteil. Ansonsten ist „Batman Begins“ zweifellos die beste Umsetzung des klassischen Comicstoffes für die Leinwand, die es je gegeben hat.
Ein echter Kinotipp.