Samstag, März 19, 2005

Saw - ein ganz böser Film für den kleinen Sadismus zwischendurch


Wenn der Titel eines Filmes „Saw“ lautet, kann es sich doch eigentlich nur um einen weiteren komplett überflüssigen Schlitzerfilm handeln. Doch James Wans Film ist anders als andere Psychopathenfilme – ganz anders. Intelligenter, bösartiger, überraschender und dynamischer, ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten: „Saw“ ist genauso, wie unzählige Thriller vor ihm hätten sein wollen.
Adam und der Arzt Lawrence wachen in einem verlassenen und verdreckten Waschraum auf. Beide sind an Rohre gekettet, was es ihnen unmöglich macht, den anderen zu erreichen. Zwischen ihn liegt eine Leiche mit einer Schusswunde im Kopf. Weswegen sie sich in dieser Situation befinden, weiß keiner von beiden. Doch ihr Entführer hat Hinweise in Form von Audiokassetten hinterlassen. Sehr bald wird klar, dass es sich um den Killer handeln muss, von dem Lawrence schon einige Monate zuvor gehört hat. Er selbst wurde damals verdächtigt jener Mörder zu sein, der seine Opfer auf perfide Weise dazu bringt, sich in, von ihm arrangierten, Todesfallen selbst zu töten.
Dann endlich meldet sich der mysteriöse Fremde persönlich zu Wort. Er fordert Lawrence auf, Adam zu töten. Andernfalls werden Frau und Tochter des Arztes sterben. Für beide Männer beginnt ein gnadenloser Kampf ums Überleben, indem sie nur langsam durchschauen, welche Verbindung zwischen ihnen besteht. Trotz der angespannten Situation kooperieren beide, doch sie haben es mit einem raffinierten Gegner zu tun, der ihnen weit überlegen ist.
Wan bedient sich einmal mehr der ewigen Legende vom superintelligenten Psychokiller. Das tut er allerdings gekonnt und liefert dazu ausnahmsweise mal ein Motiv, das nicht träge an der abgewetzten „Geiler-Schlitzer-Sex-Triebfeder“ baumelt. Sein Thriller ist mal Kammerspiel, mal rasanter Actionthriller und das in so ausgewogener Weise, dass es niemals unglaubwürdig oder überzogen wirkt. Längen gibt es keine, eher die unerfüllte Sehnsucht des Zuschauers nach einer kurzen Denkpause. Die Geschichte dreht und wendet sich wie eine bösartige Schlange und entwindet sich immer wieder allen Lösungsversuchen. Es war nur einem Zufall zu verdanken, dass ich die zentrale Pointe - derer gibt es mehrere – sofort in den ersten Minuten erriet. Die meisten Zuschauer wird „Saw“ jedoch überraschen können – und definitiv erschrecken.
Der im Titel erwähnten Säge kommt übrigens noch eine ganz besondere Rolle zu. Wem es schon bei RTLs „Notruf“ mit Hans Meiser graust, sollte daher lieber auch diesen Film meiden.
„Saw“, bisher der beste Thriller nicht nur dieses, sondern vermutlich auch der letzten Jahre.
Genial.