„Egal wer gewinnt, wir verlieren“, tönt der Werbeslogan für „Alien vs. Predator“. Dem ist glücklicherweise nicht so, denn wir gewinnen definitiv einen hervorragenden Actionfilm.
Ich sage das, obwohl und wahrscheinlich auch gerade weil die Kritiker Paul Andersons Film einträchtig in der Luft zerrissen haben. Dabei ist ihnen eines offenbar entgangen: „Alien vs. Predator“ ist nicht nur Unterhaltungsfilm, sondern auch eine Comicverfilmung und er bietet alle Zutaten, die man bei diesem Subgenre erwarten darf: Spannung, Action und ein Mindestmaß an Logik, mit der man es natürlich nicht allzu genau nehmen muss.
Wissenschaftler entdecken unter der Eisedecke der Antarktis eine mysteriöse Pyramide. Natürlich dringen sie in das Relikt ein und erleben dort eine Überraschung der dritten Art. Denn das Gebäude ist nichts anderes als eine vollautomatische Aufzuchtstation, in der der perfekte Jäger Predator die perfekte Beute für seine Jagdlust züchtet: Aliens. Die machen sich drinnen alsbald über die Forscher her, während drei Predatoren landen, um die Wiedergeburt der Aliens aufzuhalten.
Ganz nebenbei erfahren wir dann endlich auch, warum die Inkas verschwunden sind. Erich von Däniken hat es ja schon immer etwa so geschildert…
Besonders erstaunlich ist, dass Andersons Film Prequel und Sequel zugleich ist. Er ist zeitlich nach den Predator-Filmen, aber vor den Alien-Streifen angesetzt und kann es technisch selbstverständlich problemlos mit beiden Vorbildern aufnehmen. Ungewöhnlich ist der sparsame Einsatz von Gewalt, zumindest im Vergleich zu den vorhergehenden Filmen. Paul Anderson hatte schon vor einigen Jahren mit „Event Horizon“ bewiesen, dass er in Horror-Filmen die etwas härtere Gangart schätzt. Aber wieder einmal hat man jugendlichem Publikum den Zugang zum Film ermöglichen wollen, wie es bei den meisten Comicadaptionen üblich ist. Merchandising funktioniert eben nur, wenn potentielle Käufer den Film auch sehen dürfen. Immerhin ist "Alien vs. Predator" nicht, wie zuvor Gerüchte wissen wollten, schon ab 12, sondern ab 16 freigegeben worden.
Glücklicherweise ist die Zähmung des Skripts nicht so furchtbar daneben gegangen wie in der missglückten „Daredevil“-Umsetzung, die über ihre Jugendverträglichkeit stolperte.
Die Geschichte des Crossovers zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Filmserien ist eine Art moderne Sage für SF-Fans. In zweiten Teil der Predator-Serie, der in den frühen Neunzigern entstand, ist in einer Szene die Trophäen-Sammlung des extraterrestrischen Großwildjägers zu sehen. Kenner entdeckten dort schnell den Schädel eines Aliens, offenbar eine Anspielung des Requisiteurs auf eine damals schon existierende Comicserie, in der Aliens gegen Predatoren kämpften. Fast ein Jahrzehnt lang, war die filmische Umsetzung eine Legende für Fans - und nun ist sie endlich wahr geworden und dabei ist auch noch ein richtig guter Film heraus gekommen.
Zumindest ganz nach meinem Geschmack.