Wie wird sich eigentlich das Medium Film in Zukunft entwickeln? Auffällig ist ja eine exponentiell anwachsende Gigantomanie was die Budgets bei der Produktion neuer Filme angeht. 100 Millionen Dollar für einen neuen Kassenschlager sind ja heutzutage mehr oder minder Peanuts und ganz selbstverständlich geworden. Darüber, ob man den Filmen diese Kosten ansieht, könnte man diskutieren. Wo das Geld bei "Troja" beispielsweise abgeblieben ist, frage ich mich jetzt noch, denn der Produktion ist das beim besten Willen nicht anzusehen. (Vielleicht ja den Villen der Hauptdarsteller?) Viel besser als Kulissen für eine Episode von Xena sehen die Sets nämlich nicht aus.
Interessant ist, was sich zur Zeit im Amateurbereich tut. Leistungsfähige Hard- und Software eröffnen neue Möglichkeiten für kreative Amateure und lassen so manche Hinterhofproduktion aussehen, als wäre sie von Profis mit Profitechnik gedreht worden. Selbst auf DVD können die Filme mittlerweise gebannt und so in Umlauf gebracht werden. Manchmal nur gegen Überweisung der Materialkosten in Form eines Rohlings oder durch Gratis-Downloads von den weiter unten genannten Plattformen.
So werden mit geringsten oder gar nicht vorhandenen Mitteln zur Zeit eine ganze Menge Filme weltweit gedreht. Das
Nydenion-Projekt ist nur ein Beispiel für einen von privater Hand produzierten Film mit preofessionellem Look. Weitere finden sich auf Seiten wie
hackermovies.de,
kurzfilm.de,
kanal-global.de oder
freshfilms.de.
Auch selbsthergestellte Animationen auf der Basis von 3d-Engines für Ego-Shooter sind ein interessanter Trend. Telepolis berichtet gerade in einem
aktuellen Artikel darüber.
Selbstverständlich erreichen nicht alle diese meist eher kleinen Produktionen das hochgesteckte Ziel, auszusehen wie von Profis gemacht. Aber manche kommen dem doch sehr nah.
Was nun, wenn mit noch weiter fortgeschrittener Hard- und Software die Amateure daran gehen, ihre von Big Budget Movies bald kaum noch zu unterscheidenden Werke für für kleine Beträge zu verkaufen?
Der aktuelle Trend, illegale Versionen von Filmen über p2p kostenlos - und selbstverständlich auch illegal - zu ziehen, beweist doch, dass Kinoeintrittspreise und Kosten für DVDs so hoch geschraubt sind, dass schon das Anschauen eines schlecht von der Leinwand abgefilmten Kassenschlagers zur attraktiven Alternative wird.
So könnte es durchaus möglich sein, dass demnächst von ambitionierten Amateuren zum Preis von fast 0 Euro gemachte Spielfilme für sehr niedrige Preise, aber in hoher Stückzahl verkauft werden. Könnten die damit großen Produktionen sogar den Rang ablaufen?
Ginge das Konzept auf, würden dann vermutlich eine Unzahl winziger Produktionsgruppen entstehen, so dass die alten Filmzentren ihre Bedeutung verlieren.
Für Hollywood vielleicht eine beunruhigende Vorstellung, für den Zuschauer eine interessante Zukuntsperspektive: Denn das würde eine unglaubliche Vielfalt von neuen Künstlern und Ideen bedeuten...